Was Fahrradfahren und Queer-Feminismus gemeinsam haben

Was Fahrradfahren und Queer-Feminismus gemeinsam haben

Reiseblog: Einblicke Paris & Barcelona

Seit gut zwei Wochen bin ich nun unterwegs, habe bereits Verschiedenes da draußen und in mir selbst entdeckt und neu kennengelernt. Reisen bringt mich doch immer weiter: Sowohl räumlich als auch mental. Und wieso klassischer Tourismus so gar nicht mein Ding ist und was Fahrradfahren und Queer-Feminismus gemeinsam haben, erfährst du in meinem aktuellen Blogbeitrag über Paris und Barcelona.

Lesezeit: 20-25 min
Als Audio-Anhören: Hier klicken

Was bisher geschah:

Los geht’s!
320 km/h – der ICE nach Paris

Am 29.10. ging meine Reise von einem kleinen Dorf bei Kassel nach Frankreichs Haupt- und Megastadt PARIS los. Für alle, die nicht so viel Bahn fahren, mag an dieser Stelle gesagt sein, dass der ICE durchaus schneller und zuverlässiger geworden ist. Auf 320 km/h hat er mich beschleunigt und sogar pünktlich nach Paris gebracht. Vielleicht war es auch nur Glück, doch auch wenn der französische TGV es gar auf eine unschlagbare Welthöchstgeschwindigkeit von 520 km/h bringt (*), heißt dass nicht, dass man in Frankreich schneller ankommt. Ich hab erlebt, dass in Frankreich manchmal auch ganze Zugverbindungen spontan abgesagt werden, dass man Stunden an einer Grenze warten muss, und statt mit 520 km/h nur mit 140 km/h im Zick-Zack durchs Land tuckert, aber mehr dazu später.

Ich bin also in Frankreich angekommen! Paris! Krass! Zusammen mit meinem Rucksack, der mich für die kommenden 6 Monate begleitet, erkunde ich nun diese Stadt. Endlich geht es los. Ich suche mir meinen Weg zur Wohnung und stelle dabei fest: Das U-Bahn-System funktioniert ganz wunderbar und in kurzer Zeit bin ich da. Puh! Erstmal abladen…

Meine Wohnung in Paris

Und herzlichen Dank an Nadja und Camille die mir diese Wohnung klargemacht haben! Danke an Camilles Eltern fürs Vertrauen und die Schlüssel!

Reise-Netzwerk!

Es ist super solch ein Netzwerk zu haben und ich merke schon, wie es weiter wächst und ich eigentlich überall auf der Welt bereits Freund*innen und Bekannte hier und dort habe. Falls du also noch Kontakte hast, die ich in meinem Blog mit erwähnen sollte, einfach her damit, ich gehe sie gern besuchen! So hab ich am Abend auch Paul (Camilles Bruder) getroffen. Er und seine Freundin waren erst vor kurzem für 8 Monate in Südamerika auf Tour und nun lud er mich zum Essen ein. Paris ist teuer, da nehme ich als Reisender das Angebot doch gern an, denn in den folgenden Monaten, lebe ich vom Ersparten und Werbung, die ich hier einstreuen lasse:

Hier könnte Ihre Werbung stehen. 😀 z.B. Politische Bildung by Jannes Umlauf! Hier mehr zum Angebot 2020.

Bildergebnis für by 2020 we rise up
By 2020 we rise up! politische Bildung für eine klimagerechte Zukunft.

Paul gab mir noch zahlreiche Tipps für meine kommenden zwei Tage in Paris. Auch erzählte er mir von Argentinien und dass ich unbedingt weiter nach Bolivien und Kolumbien müsse. Meine Route durch Südamerika füllt sich also Stück für Stück, wird immer länger und ich bin gespannt ob mir die 6 Monate wirklich ausreichen oder ob ich nach meiner Arbeitszeit in Deutschland wieder losziehen muss und die Tour weiterführe. Nach Südamerika kommt man auch gut ohne Flugzeug: Die Fahrt auf einem Segel- oder Containerschiffen ist auch möglich, es gibt einige Angebote und ich muss noch ein passendes finden, denn 2020 möchte ich durchaus über den Seeweg zurück nach Europa. #am_Boden_bleiben! Mehr dazu dann aber wohl ab März / April 2020.

Erstmal zurück nach Paris und warum klassischer Tourismus nicht mein Ding ist:

Nachts durch Paris zu ziehen find‘ ich ziemlich aufregend, besonders wenn ich die Stadt noch gar nicht kenne und auch die Sprache nicht verstehe und solche Mega-Städte generell etwas unheimlich finde. Das ist jedenfalls meine Erkenntnis: Sobald ich die Sprache nicht spreche oder verstehe und den Flow der Stadt nicht erkenne, überfordert es mich schnell. Dann bleib ich auch mal zu lange bei den falschen Leuten stehen und muss mich dann aus blöden Situationen retten. Das passiert vor allem an touristischen Plätzen, denn da sind sehr viele Menschen und in der Masse wird ein kleiner Überfall auch schnell unsichbar.

Eifelturm

Auch auf dem 324m hohen Eifelturm musste ich mir immer wieder eine Stelle suchen, die ruhig war und nicht von Selfi-Fotos überseht wurde. Ich wollte auch nicht ständig von irgendwelchen heterosexuellen Liebespärchen Fotos machen müssen, denn sonst komm ich gar nicht mehr dazu den Ausblick für mich zu genießen. Genießen? Den Ausblick auf eine Großstadt, die mit rund 21.000 Einwohner*innen pro Quadratkilometer die höchste Bevölkerungsdichte Europas aufweist. Mit mehr als 2,1 Millionen Menschen ist Paris die 5. größte europäische Stadt und mit 12,5 Millionen die zweitgrößte Metropole nach London. Und da steht nun ein mächtiges Gerüst aus Eisen. Dieses Bauwerk wird jährlich von über 7 Millionen zahlenden Besucher*innen besichtigt. Und ich mal wieder mitten drin und hatte keine Ahnung, warum dieser Turm da überhaupt steht. Du etwa?

Hintergrundinfos: Das von 1887 bis 1889 errichtete Bauwerk sollte zeigen, was mit Eisen alles möglich war und so wurde als monumentales Eingangsportal und Aussichtsturm für die Weltausstellung zur Erinnerung an den 100. Jahrestag der Französischen Revolution der Eifelturm errichtet. Ganz easy erklärt! Da gab es natürlich auch Kritik:

„Wir Schriftsteller, Maler, Bildhauer, Architekten und leidenschaftliche Liebhaber der bisher unangetasteten Schönheit von Paris protestieren im Namen des verkannten französischen Geschmacks mit aller Kraft gegen die Errichtung des unnötigen und ungeheuerlichen Eiffelturms im Herzen unserer Hauptstadt, den die oft vom gesunden Menschenverstand und Gerechtigkeitsgefühl inspirierte Spottlust der Volksseele schon den Turm zu Babel getauft hat. […] Um zu begreifen, was wir kommen sehen, muss man sich einen Augenblick einen schwindelerregenden, lächerlichen Turm vorstellen, der wie ein riesiger, düsterer Fabrikschlot Paris überragt, muss sich vorstellen, wie alle unsere Monumente gedemütigt, alle unsere Bauten verkleinert werden, bis sie in diesem Alptraum verschwinden. […]“

die später dann aber doch wieder zurückgenommen wurde, weil … :

Vor der vollendeten Tatsache – und was für eine Tatsache! – müssen wir uns beugen. Auch ich, wie viele andere, habe gesagt und geglaubt, der Eiffelturm sei ein Wahnsinn, aber es ist ein großartiger und stolzer Wahnsinn. Gewiss, diese ungeheure Masse erdrückt die übrige Ausstellung, und wenn man wieder aufs Marsfeld hinaustritt, scheinen einem die riesigen Kuppeln und Galerien winzig klein. Aber was wollt ihr? Der Eiffelturm spricht die Fantasie an, er ist etwas Unerwartetes, etwas Fantastisches, das unserer Kleinheit schmeichelt. Als er kaum in Angriff genommen war, unterzeichneten die berühmtesten Künstler und Schriftsteller, von Meissonier bis Zola, einen flammenden Protest gegen den Turm als furchtbares Verbrechen gegen die Kunst. Würden sie ihn heute noch unterzeichnen? Nein, gewiss nicht, und es wäre ihnen lieber, dieses Dokument des Zorns existierte nicht.“

Auch ich ging bis zur 2. Etage die 115,7m oder 704 Treppenstufen hoch und staunte über das Bauwerk. So viel Eisen… schon krass. Die Ausdehnung des Turms infolge starker Sonneneinstrahlung kann in der Höhe mehrere Zentimeter ausmachen, der bisherige Spitzenwert von 18 Zentimetern wurde im Sommer 1976 erreicht. Eiffels Berechnungen entsprechend könnte sich der der Turm sogar um bis zu 70 Zentimeter ausdehnen. Auch ohne diese Ausdehnung ist die oberste Aussichtsplattform die zweithöchste öffentlich zugängliche Europas – eine höhere Aussichtsplattform hat lediglich der Fernsehturm Ostankino in Moskau. Mehr zum Eifelturm hier. Und wer von persönliche Worte von mir über Moskau lesen möchte, kann hier beginnen.

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Bildergebnis für Gustave-Eiffel-Saal

Im ersten Stock bietet sich der 300 Quadratmeter große mietbare Gustave-Eiffel-Saal für Tagungen, Konferenzen, Konzerte oder Empfänge an. Buchen Sie jetzt eine Veranstaltung mit www.info-tainment.org! Die 120 Sendeantennen am Eifelturm können dieses unvergessliche politische Bildungs-Event perfekt übertragen. Politische Bildung mit Witz und Tiefgang by Jannes Umlauf – info-tainment.org !


Zurück am Boden:

Ich hatte mir also ein Ticket für den Eifelturm gebucht und machte mich im Anschluss auf den Weg Paris dann auch mal von unten zu erkunden. Auch hier soll es ja schöne Bauwerke, wie die Sacré-Cœur geben!

Sacré-Cœur de Montmartre

Besonders bei der Sacré-Cœur de Montmartre stieß mir dieser klassische Tourismus etwas entgegen: Wenn man im Kreis mit einem Menschen-Strom gequetscht durch eine Kirche geschoben wird, vorbei an mehr Kerzen-Spendendosen als Kreuzen, dann kann ich‘s nicht mehr schön finden. Für 7€ konnte ich aber auf die Kirche hoch hinaus – 300 Stufen trennten mich nun von der Masse und ich konnte doch noch einen tollen Ausblick auf Paris genießen.

Riesen Mosaik in der Sacré-Cœur
Glockenturm

Bei gutem Wetter kann man gar 40 km weit sehen. Das verdankt man dann dem Architekten Paul Adabie, der bereits 1884 verstab und sein 40 Millionen Franc teures Werk niemals vollendet sah. Dennoch wurde die Sacré-Cœur Vorbild für andere Sakralbauten des 20. Jahrhunderts und zeigt mit seinem 475 m² großen Mosaik eines der größten der Welt.

Die große Glocke – mit 18,835 t Gewicht eine der größten der Welt – hat den Schlagton c°+4. Wer mehr Infos jetzt zur Sacré-Cœur lesen mag: gern hier.

Ausblick von der Kuppel der Sacré-Cœur

Mit dem Fahrrad durch Paris

Vélib-Fahrradstation

Paul hatte mir eine Vélib-Karte gegeben, mit der ich große Flexibilität erhielt. Hierbei handelt es sich um „öffentliche Leihfahrräder“, die man an Hunderten von Rad-Stationen innerhalb von Paris ausleihen und wieder abgeben kann. Das Wort setzt sich zusammen aus vélo (frz. für Fahrrad) und liberté (frz. für Freiheit). Die Vélib wurden 2007 eingeführt und sind seitdem bei Einwohner*innen und Tourist*innen gleichermaßen beliebt, denn man kann auch spontan direkt vorort ein Fahrrad für nur 1,20€ pro Tag leihen.

Und nicht nur die Fahrradstationen waren super, sondern auch die Wege. So gab es Straßen, die für Autos gesperrt waren und zahlreiche Fahrradwege, die auch räumlich von der Auto-Fahrbahn abgetrennt waren. Entlang der Seine konnte man auch ganz entspannt radeln. An manch anderen Orten dennoch ein ziemliches Chaos, vorallem im Berufsverkehr – doch das Fahrrad ist durchaus ein Instrument der Bewegungsfreiheit! Und so hab ich mir noch Einiges angeschaut, da ich mit dem Fahrrad doch recht fix hier und dort war.


Großbrand im April 2019

Die Kathedrale Notre-Dame de Paris wurde ja durch den Großbrand am 15. und 16. April teilweise zerstört und war entsprechend nicht zugänglich. Auch der 93m hoch Vierungsturm der Kathedrahle sürzte dabei ein, doch der Großteil und der Kirchenschatz konnte in der Nacht des Brandes gerettet werden. Am selben Abend hatte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron einen Wiederaufbau angekündigt. Dieser soll binnen fünf Jahren stattfinden womit die eingeplanten Restaurierungskosten von 150 Millionen nun auf 400 bis 600 Millionen Euro anstiegen. Die Bilder des Brandes gingen um die Welt, wurden dramatisiert und so lagen bereits nach einer Woche umfangreiche Spendenzusagen (ca. 1 Milliarde) vor, die diese Kosten decken würden. Mehr dazu hier.und hier. Aktuell laufen also die Wiederaufbauarbeiten und ich muss dann in 5 Jahren mal wieder kommen.


Kunst und Architektur

Wenn man weitere Bauwerke und Kunstobjekte in Paris bewundern möchte, sollte man auch zu den Ausstellungsgebäuden Grand Palais und Petit Palais. Beeindruckend fand ich hier die riesiegen Ölgemälde: Besonders das Wohnzimmergroße (6x4m) Gemälde von Léon-Augustin Lhermitte „Les Halles“ zeigt eine wunderbar gelungene realisitsiche Darstellungen des bäuerlichen Lebens, für die Lhermitte berühmt wurde.


Gassen mit Charme und Gärten mit Ausblick:

Ich bin noch ein wenig durch die Stadt und auch seine unterschiedlichen Viertel geradelt. Die kleinen Gassen rund um das Panthéon und auch die Rue Saint-Maur sind besonders zu empfehlen und haben einen ganz persönlichen Charme. Auch der Weg zur Sacré-Cœur führte durch ein spannendes und mich an Johannesburg-denkendes Viertel. Ja, die Community hier hat wohl eher einen afrikanischen Background. (Über Johannisburg hab ich auch mal berichtet.)

Fux Lieblingsbuchladen

Auch gibt es in Paris so einige Gärten, die sich gut nutzen lassen um dem Großstadt-Trubel zu entkommen. So spazierte ich durch den Parc de Belleville und den 25 hekta großen Parc des Buttes-Chaumont, von denen ich jeweils eine gute Aussicht hatte und von der dortigen Hängebrücke, die unter meinen Füßen wankte, doch sehr beeindruckt war. Ein beliebter Ort für Hochzeitsfotos…

Hängebrücke im Parc des Buttes-Chautmont

Zu den Grünanlagen zählen in Paris auch die Friedhöfe wovon ich mir den um die Ecke gelegenen Cimetière du Père Lachaise gern angesehen hätte, doch dann bekam ich am Abend um ca,. 21 Uhr die Nachricht, dass mein Zug am morgigen Nachmittag ausfällt und ich stattdessen den um 7:01 Uhr in der früh an einem ganz anderen Bahnhof nehmen sollte. Mist! Also hieß es: Schnell packen und fix schlafen, denn wer weiß, wie die Verbindungen nach Barcelona sonst so sind. Im Internet lies sich dazu gar nichts weiter rausfinden. In der Mail sagten sie, dass Regenfälle eine Strecke zerstört haben und mein Zug keinen Halt in Barcelona machen würde. Ich greife mal vorweg: Ich bin gut angekommen und hab mir bis heute keine weiteren Gedanken gemacht, warum, wie weshalb der Zug ausfiel. Ist auch egal, ich wollte hier auch noch über wichtigere Dinge schreiben:

Blick vom Parc des Buttes-Chaumon

Was hat Fahrradfahren und Queer-Feminismus nun gemeinsam?

In Paris gibt es diese vielen Fahrradstationen von denen ich bereits geschrieben habe. Diese ermöglichen einen ein schnelles und einfaches „von A nach B“ kommen und so ist es möglich abends nochmal spontan loszuziehen, Bars oder andere Veranstaltungen zu besuchen. Frei zu sein, Emanzipation!? Diese Möglichkeit nutze ich auch und radelte zur feministischen La Mutinerie Bar, wo heute ein Drag-King Abend stattfand. Es ging hier also vor allem um eine spezifische Gender-Performance, um das Zerbrechen von Normen und das Ausschmücken mit eigenen Bewegungen und Worten. Oder doch auch irgendwie eine Reproduktion von typischen Männlichen verhalten, wobei dieses gleichzeitig parodiert und subtil lächerlich gemacht und kritisiert wird.

La Mutinerie est un bar féministe par et pour les meufs, gouines, bi.e.s, queers et/ou trans. Facebook

Das „La Mutinerie“ ist ein selbstverwaltendes Kollektiv von Queers, welches sich bemüht den Ort zum Leben zu erwecken. Es gebe keine hierarchischen Beziehungen und das Geld, das von der Bar produziert wird, wird kollektiviert, so heißt es im Selbstverstädnis. Die Mutinerie ist aber nicht nur ein festlicher Ort der Gemeinschaft oder ein Ort der politischen und kulturellen Reflexion, sondern auch ein Instrument zur Umverteilung des Queer-Cashs innerhalb der Gemeinschaft. Konkret wird durch die ausschließliche Zusammenarbeit mit Künstler*innen und Mädchen und / oder Queers und durch Spenden an Kollektive und Vereine die Queer-Gemeinschaft unterstützt.

Musik am Abend – Fem-Rap

Wir weigern uns, den Rassismus, den Sexismus, die Transphobie und den Klassismus zu ignorieren, die selbst innerhalb unserer Gemeinschaften existieren. Wir wollen Räume für Reflexion und kollektive Kämpfe gegen diese Unterdrückungen schaffen.

La Mutinerie – Facebook

Noch mehr Fahrradfahren und (Queer-)Feminismus?

Dann muss ich hier kurz etwas abschweifen. Das Fahrrad ist ja nicht überall in der Welt für alle zugänglich, oder doch? Bei meiner Internet-Recherche ist gleich Saudi-Arabien aufgesprungen. Es ist zwar seit 2013 erlaubt, dass Frauen dort Fahrrad fahren, aber empfiehlt die saudi-arabische Regierung den Frauen nur in Begleitung ihrer Ehemänner, Väter oder Brüder zu fahren. Man stelle sich das mal hier in Deutschland vor! Im Vice Magazin gibt es einen spannenden Beitrag über einen Fahrradclub in Saudi Arabien. Dort werden auch persönliche Geschichten dargestellt, die Fahrradfahren und Feminismus zusammenbringen: „Als Kind bin ich mit meinem Fahrrad immer durch die Nachbarschaft gefahren. Mit der Zeit hörte wegen des gesellschaftlichen Drucks aber auf“, erzählt Nadima. „Meine Mutter und meine Schwestern ermutigten mich dann, mein Fahrrad wieder aus dem Keller zu holen. Ich fing an, Bilder meiner Ausflüge bei Instagram zu posten, und war dann richtig überrascht, weil mich so viele saudi-arabische Frauen kontaktierten und zusammen mit mir Fahrrad fahren wollten. Deswegen auch meine Entscheidung, einen Fahrradclub nur für Frauen ins Leben zu rufen.“ (*) Seit 2015 besteht dieser Fahrradclub und radelt gegen das Patriarchat, das Autofahren ist erst seit Juni 2018 für Frauen erlaubt.

Wer jetzt noch mehr über Fahrräder und Saudi-Arabien erfahren möchte, kann sich ja „Das Mädchen Wadjda“, den ersten Kinofilm der saudi-arabischen Regisseurin Haifaa al-Mansour anschauen. „Die komplexe, wohltuend unaufgeregte und weitgehend ideologiefreie Darstellung gesellschaftlicher Verhältnisse gehört zu den Stärken des Films.“, so eine Filmkritik (hier)

Nach der Veranstaltung im la Mutinerie wurde noch ein wenig getanzt, eine kurze vogue-Tanzeinlage gab es auch und ich radelte dann wieder kreuz und queer durch die Stadt nach Hause.


Der Weg nach Barcelona

Immerhin entspanntes Reisen ohne Ticket-Kontrolle – 1. Klassen # gönn dir!
Vertieft ins Blog-schreiben: Wird dann aber auch schnell dunkel…

Hier in der Strandbar begann dieser Artikel. Entspanntes Flair mit Blick aufs Meer. In Barcelona war ich bereits 2014 und habe dazu auch einen Artikel zu unserer damaligen historischen Bildungsreise geschrieben: Hier mehr dazu! Nun arbeite ich an Anträgen und weiteren Ideen für entwicklungspolitisches Engagement in Mecklenburg-Vorpommern. Mehr dazu auch hier: Beratung

www.jannes-umlauf.de/beratung

Jetzt aber was Aktuelles: PROTESTE IN BARCELONA:

Protestcamp in Barcelona

„Ich lebe in einer Republik, nicht in einer Monarchie. Ein fremder König hat in Barcelona nichts zu suchen.“

Quelle

Barcelona, Großstadt Spaniens und aktuell auch immer wieder mal in den Nachrichten wegen der Proteste und auch Protest-Camps. Erst neulich wurde wieder tatkräftig gegen den Besuch der Königsfamilie am 4.11. demonstriert. Der König Felipe VI hat sich im Rahmen der Unabhängigkeitsbewegung durch seine Aussage man habe die „Verfassungsordnung sicherzustellen“ sehr unbeliebt gemacht. Die Regionalregierung in Barcelona führte am 1. Oktober 2017 ein Abspaltungsreferendum trotz des Verbotes des Verfassungsgerichtes durch und rief im Anschluss die Unabhängigkeit aus. All das löste eine schwere politische Krise in Spanien und weltweite Aufmerksamkeit aus. Dabei ist dieses Thema nicht neu. Bereits 2006 segnete das spanische Parlament eine neue Autonomie der Region ab, in der etwa Katalonien als Nation anerkannt wird. Das Verfassungsgericht strich 2010 allerdings zentrale Teile des Textes, womit der Autonomiestatus wertlos wurde. Seitdem haben sich die Beziehungen zwischen Madrid und Barcelona stetig verschlechtert. Und seit der starken Repression und Inhaftierung von 9 Aktivisten der Unabhängigkeitsbewegung Mitte Oktober, kommt es die Region nicht mehr zur Ruhe. (*)

„Kein König – Keine Angst!“

Katalonien ist heute praktisch in zwei Hälften geteilt,“ so der Parteisekretär Salvador Illa der amtierenden katalanischen Sozialistenpartei. Sonntag, am 10.11. soll es, nachdem erst im April gewählt wurde erneut Wahlen geben. Viele Menschen sind davon bereits genervt. (*)

Protestcamp

Dann lassen wir das politische mal eben hinter uns: Im Vergleich zu Paris gefällt mir Barcelona besonders gut – auch ein Grund warum ich ursprünglich mal nach Rostock gezogen bin, ist definitiv die Nähe zum Strand, die ich hier sehr genieße. In Mongat, etwas außerhalb besuche ich Miriam, die ich aus Mauritius kenne (Aktivismus in Mauritius). Hier sind es 5 min zum Strand und die Bahn hält direkt an den Dünen. Das war erstaunlich, Barcelona bietet also etwas mehr Platz und Abkühlungen, denn auch im November waren es hier noch über 20 Grad und purer Sonnenschein. Ich schwärme Dir jetzt mal lieber nicht weiter vom Wetter vor, sondern berichte noch von meinen kleinen Ausflügen, bei denen es später auch wieder um Feminismus geht.

Fire-Poi am Strand 🙂

Antonio Gaudi

Was ein(e) Gaudi

Auch Barcelona bietet Raum für Kunst und Architektur und kann mit Antonio Gaudi (1852-1926) und der Sagrada Familia oder dem Güell Park durchaus punkten. Entdeckt wurde Gaudi übrigens bei der Pariser Weltanschauung von 1878 (er hatte dort gerade erst sein Studium abgeschlossen) von dem Unternehmer und Politiker Eusebi Güell (1846-1918). Dieser Güell hatte ein Vermögen, was heute auf ca. 70. Milliarden Euro geschätzt wird und gehört entsprechend zu den reichsten Menschen, die je gelebt haben. Nun… Gaudi sollte in Zukunft noch zahlreiche Aufträge von diesem Eusebi Güell bekommen und die Stadt prägen.

Sagrada Familia noch immer im Bau.

Die Sagrada Familia ist ein Bauwerk, das mich erstaunen ließ, wobei mich die Baukräne irritierten. Nun stellt sich herraus, dass die Kirche erst 2026 (zum 100. Todesjahr) von Gaudi fertig gestellt werden soll und sich also noch immer im Bau befindet. Wie kommt‘s? Durch eine anonyme Spende wurde das Konzept der Kirche 1894 stark erweitert und Gaudí sollte noch weitere 43 Jahre an der Kirche arbeiten, die letzten 15 Jahre ausschließlich. Ein großes Werk, dessen Kunde (Gott) jedoch „keine Eile kenne“, so Gaudí. Durch Gaudìs Tod (1926 von einer Straßenbahn erfasst und wegen fehlender Papiere für einen Bettler gehalten und nicht medizinisch verpflegt), aber auch dem spanischen Bürgerkrieg sind einige Entwürfe und Pläne durcheinander geraten und der Bau kam nur stockend voran bzw. konnte erst 1950 weitergeführt werden. Fun-Fakt am Rande: Erst 2016 fiel auf, dass es für den Bau keine Baugenehmigung gab. Diese wurde im Juni 2019 für sieben Jahre erteilt, damit der Bau zum 100. Todestag Gaudís vollendet werden kann. Mal schauen, ob dies gelingt.

Weiter zum Güell Park: Es war ein langer Fußweg auf den Berg, doch hier befindet sich eine wunderbare 17 hekta große und märchenhafte Parkanlage, die ebenfalls Antonio Gaudí in den Jahren 1900 bis 1914 erschaffen hat und von der man einen wunderbaren Blick auf Barcelona hat. Aber auch hier sind die Tickets bereits ausverkauft.

Blick auf Barcelona
Gaudìs Haus heute als Museum

Der Park ist neben der Sagrada Familia mit 3 Millionen Besucher*innen im Jahr die zweitgrößte Touristische Sehenswürdigkeit, doch nicht für alle Bereiche ist ein Ticket notwendig und so fand ich auch noch einen ruhigen Ort. Übrigens befindet sich im Park auch das ehemalige Wohnhaus Gaudís, welches nun ein Museum ist.


Ins alternative Stadtleben

Wenn man aber ein wenig weg von den touristischen Ort und Hauptstraßen mehr ins universitäre und alternative Zentrum geht, findet man hier tanzende, skatende oder Poi-spielende Menschen, aber auch spannende Ausstellungen. Feminismus ist auch hier angekommen und ich werde auch im Rahmen meiner Bildungsreise noch mehr dazu schreiben und hoffentlich auch die eine oder andere Feministin kennenlernen und von Aktionsformen berichten. Aber kurz zur Ausstellung „Feminism!“, die bereits seit 19 Juli besteht und noch bis zum 5 Januar 2020 angeschaut werden kann. Hier werden vorallem die 1970er Jahre thematisiert, welche als große Inspirationsquelle des Feminismus für heute gelten. In der Ausstellung werden die Meilensteine des „avant-garde feminism“ gezeigt, der in den 70ern die Kunstgeschichte neu schrieb. Über 200 ganz verschiedene Werke von 73 Künstlerinnen gibt es dort zu sehen. Mehr dazu ist auch hier im Web zu finden.


Werbung: Gender- und Rassismussensibilisierung
Mehr zum Thema Gender, Sexismus und … biete ich in meinen Seminaren an. Hier z.B. ein Gender-Sensibilisierungs-Workshop!

www.jannes-umlauf.de/gender-sensibilisierung

Barcelona positioniert sich feministisch:

„Wir sind eine feministische Stadt, die die Geschlechterperspektive in allen kommunalen Politiken anwendet und sich kollektiv gegen geschlechtsspezifische Gewalt einsetzt. Wir sind eine Stadt, die die alltäglichen Schwierigkeiten von Frauen in Bezug auf Pflege, Arbeitsplatzunsicherheit und Diskriminierung von Arbeitnehmerinnen, Sicherheit zu Hause und auf der Straße berücksichtigt und bekämpft. Wir sind eine feministische Stadt, die die sexuelle und geschlechtsspezifische Vielfalt schützt und für sie eintritt, die ein wegweisendes LGBTI-Zentrum geschaffen hat und die LGBTI-Phobie bekämpft. Wir sind eine Stadt, die auf Feminismus basiert und uns jeden Tag neu erfindet, um einen Raum zu schaffen, der für alle frei und sicher ist.“

Übersetzt von www.barcelona.cat – Mehr dazu hier.
Mobi Video der Stadt Barcelona zum Thema Feminismus

nices Buch!

Das Thema Feminismus ist also präsent und auch im Buchladen neben der Ausstellung bin ich fündig geworden, um mein Spanisch ein wenig zu verbessern. Das geht doch am Besten durch lesen einer ganz wunderbar visualisierten Queer-Theorie Geschichte. Werbung: Wer auch Lust hat auf Visualisierung und einfaches Sketchnoting, kann gern mal einen Workshop bei mir buchen: www.visualisierung.org


Ich hoffe Dir hat dieser doch recht ausführlich gewordene Blogbeitrag gefallen und Du schaust bald mal wieder rein, wenn es heißt: Neue Berichte aus Südamerika.


90 Tages Visa bekommen

Meine nächste Station wird dann Buenos Aires und Pinamar in Argentinien sein.

Über den Autor

JannesUmlauf administrator

2 Kommentare bisher

TinaEingestellt am12:18 pm - Nov 11, 2019

Mein reisender Bruder, ich habe echt schon sehnsüchtig auf deinen ersten Blogartikel gewartet!!! Schön, dass du uns mit auf deine Reise nimmst und uns „fütterst“ mit spannenden und wichtigen Hintergrundinformationen. Und nicht zuletzt hast du auch ein wenig Reise – Wehmut in mir verursacht. Ich werde deine Seite „teilen“ und bin gespannt auf die nächsten Etappen.

    JannesUmlaufEingestellt am5:20 pm - Nov 11, 2019

    Ja, etwas Fernweh tut uns doch allen sehr gut! So hält man die Augen und Herzen stets offen. Würd mich auch freuen tolle Fotos und Videos von deinen Fotoreisen zu sehen. 🙂
    Ps: jetzt gehts gleich weiter nach Pinamar

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