Kategorien-Archiv Rassismus

The Danger of a Single Story: Die Gefahr der Einzigen Geschichte aus deutsch-weißer Perspektive

Für Catriona von t.timeHerzlichen Dank für die wunderbare Ausbildung zum Storytelling und damit auch Danke für die ausgelöste Motivation mich mehr mit Geschichten, Narrativen, Pressearbeit und erzählungsbasierter Strategie zu beschäftigen.

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Postkolonialismus

Entwicklung und Durchführung kolonialismus-kritischer Stadtrundgänge und Workshops

Ich biete Rundgänge und Workshops zum Thema „kritischer Blick auf Kolonialismus“  / Postkolonialismus an. Gern entwickele ich für Sie einen speziell angepassten Workshop oder interaktiven Vortrag oder konzipiere für Sie als Bildungsträger*in didaktisch aufgearbeitete Methoden zur Thematisierung von Kolonialismus. Bei Interesse schreiben Sie mir gern eine Email: Kontaktformular

Workshopbeschreibung: Ein kritischer Blick auf Sprache und koloniale Kontinuitäten.

Sprache. Macht. Wirklichkeit.

In diesem Impulsworkshop geht es um die politische Bedeutung von Sprache. Was ist Sprache im Kontext politischer Bewegungen? Warum wird ihr so viel Wert zugemessen? Was kann Sprache erschaffen, was verschleiert sie und was oder wen macht sie vielleicht sogar unsichtbar? Gemeinsam schauen wir uns ausgewählte Beispiele an, lernen dabei die politische Dimensionen zu erfassen und entwickeln Handlungsmöglichkeiten für eine diskriminierungsarme Sprachpraxis. Der Workshop erfordert kein Vorwissen, lebt von einer prozessorientierten Interaktion aller Interessierten und stellt anfangs die Initiative Rostock Postkolonial vor.

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Weißsein als Norm bei Whatsapp Symbolen wird durchbrochen ?

Weißsein als Norm, als nicht sichtbare rassistisch konstruierte Kategorie, welche im Gegensatz zum Schwarzsein besteht, wird nun bei Whatsapp durch die Vielfalt von Hautfarben bei der Auswahl von Smilies (Handsymbolen) durchbrochen? Oder wie kam es dazu?

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Momentan beschäftige ich mich im Rahmen meines Studiums mit der Kritischen Weißseins Forschung. Mehr dazu werde ich bei Gelegenheit auch auf diesem Blog schreiben: hier – als Aufhänger kann vielleicht diese gerade gemachte Erkenntnis gelten. Was hat es damit genau auf sich? Welche Diskussionen gab es zu dieser neuen Auswahlfunktion, gab es Diskussionen dazu? Ist dir die Auswahlfunktion bereits aufgefallen? Und wie kann man sie eigentlich politisch einordnen? weiterlesen

Politische Bildung im KZ Ravensbrück

Ein Projekttag zum Thema Neonazis in der Gedenkstätte des Konzentrationslagers Ravensbrück.

Ein spannendes Setting. In mir wurde es heute ganz still als ich aufs Gelände des Konzentrationslagers in Ravensbrück fuhr. Die Unbegreiflichkeit wie Menschen anderen Menschen so etwas antun konnten legte sich wie ein Nebel auf mich nieder. Über 10.000 Menschen wurden an diesem Ort ermordet, strukturelle und organisierte Ermordung durch den Staat. Ich stieg aus dem Auto, sah mich um: Es war ein idyllischer Ort und ich meinte zu meiner Kollegin „es klingt doof und ist sicherlich sehr unpassend, aber es ist echt schön hier.“ – Es war ruhig, wir parkten direkt an einem schönen See, Bäume um uns spendeten Schatten, das Wetter war sonnig und die Aussicht noch viel schöner. Wir konnten die Stadt am anderen Ende des Sees betrachten, die Kirche leuten hören.

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Wirklich schön, landschaftlich jedenfalls. Und an diesem Ort fand der Holocaust seine praktische Anwendung. Und niemand wusste davon? Furchtbar, mir wurde einfach nur schlecht und ich schüttelte den Kopf.

Heute führte ich zusammen mit einer Kollegin einen Projekttag zum Thema Neonazis und couragiertem Handeln durch. Interessant war es auf jeden Fall, denn die Teilnehmenden kamen aus Spanien, Polen, Finnland und Deutschland. Viele verschiedene Perspektive, Erfahrungen und Menschen an einem Ort. Ein Ort des Erinnerns. Und wir erinnerten auch, erinnerten an die Gegenwart. Daran, dass Neonazis auch heute noch versuchen Menschen von ihrer Ideologie zu überzeugen. Der Workshop fand diesmal in englisch statt, unterschiedliche Menschen waren dabei, was einfach neue Perspektiven ermöglichte. Und so sprachen wir 6 Stunden über die Strukturen, Strategien und Einstellungen von Nazis heute und auch darüber, was wir dagegen tun können. Ich frage mich: Wie kann man nur Nazi sein bzw.
werden? Auf der Hinfahrt diskutierten wir noch über Thor Steinar, eine Nazimarke, die hier in MV gern und manchmal wohl auch unreflektiert / unwissend getragen wird. Mein Verständnis und pädagogischen Ansatz mit Menschen, die zufällig an solche Kleidung kommen, ist nun am Ende des Tages wieder verworfen. Keinerlei Verständnis und keinerlei Akzeptanz gegenüber solchen Menschen die Symbole des Holocaust tragen. Echt nicht! Gestern noch im Baumarkt zwei Typen mit solchen Tshirts gesehen, spürte nur Hass und Abneigung und heute formuliere ich klare Kampfansagen! Es reicht mir. Hab die Schnauze voll von „das würd man wohl doch noch mal sagen dürfen“ oder „ich hab ja nix gegen Ausländer, aber…“ – und ich glaube, so geht es vielen: Es reicht uns!

Nach dem Projekttag schauten wir uns das Konzentrationslager noch an. Wir gingen auf den Appellplatz, zu der Näherrei, in der die Gefangenen Zwangsarbeit verrichten mussten, schauten uns das Lagergefängnis an und spührten die Abscheulichkeit der NS Zeit beim Anblick der Verbrennungsöfen.

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Genug der Schrecklichkeit, doch Erinnern ist wichtig, um sich Auswirkungen rassistischer Meinungsbildung vor Augen zu führen. Für mich, der selbst hätte in einem solchen Lager enden können, reichte es. Zu anstrengend war die Fahrt, der Projekttag und das ganze Setting. Zu erschreckt war ich darüber, wie so ein Unrecht in Sichtweite einer Stadt passieren konnte. Auf nach Hause dachte ich mir und freute mich innerlich auf meinen idylischen Garten und einen entspannten Abend. Doch leider kann ich jetzt nicht entspannen, muss darüber schreiben, muss nachdenken und überlegen, wie wir heutigen Faschismus zuerst entlarven und dann bekämpfen können. Der Grund dafür ist folgender: Als ich nach Rostock reinfuhr, traute ich meinen Augen nicht. Ich schrie laut im Auto auf. Ich beschimpfte Plakate, die wohl an diesem Abend in der Südstadt aufgehängt wurden. Die NPD hat fucking scheiß Arbeit geleistet. An jeder Laterne ein dickes Plakat von denen! „Ja zum VOLKsentscheid!“ – scheinbar sind wieder irgendwelche scheindemokratischen Wahlen und Nazis dürfen dafür und für sich selbst werben. Volksentscheid, klar, passt ja auch zu deren Vorstellung von Volk und Staat und Volk muss beschützt werden, bla bla…
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Und massenhaft Plakate. Ich versuchte weg zu schauen, doch muss mich auch auf die Straße konzentrieren – nur ist diese voll mit Plakaten. Kotz! Und das auf Kosten des Staates – auf deine Kosten denn auch du zahlst unfreiwillig (Mehrwert)Steuern. Mir eigentlich egal, was der Staat zahlt (will hier nicht sozialchauvinistische Einstellungen reproduzieren), doch die NPD hat in den letzten Jahren Millionen von Euros, staatliche Zuschüsse, bekommen. Faschistische Strukturen werden demnach auch heute noch finanziell unterstützt. Viel Geld. Und davon drucken die Poster, führen einen Kampf um die Straßen, um die Parlamente, um den geeinten Willen und um die Köpfe der Menschen. (NPD Strategie) Eckelhaft! Wahrlich eckelhaft ist es von einem Konzentrationslager nach Hause zu kommen und diesen Mist der Vergangenheit hier in 2.0 (einer Neuauflage) ertragen zu müssen. Müssen. Wirklich müssen? Wo sind wir denn eigentlich? Es ist Zeit gemeinsam einen klaren Zusammenhang herzustellen: Was damals war, ist heute noch immer. Rassismus sitzt tief in der Gesellschaft, in unsere Sozialistion und im heutigen Alltag, in Politik und Verwaltung, überall. Es ist Zeit, klar dagegen Position zu ergreifen, klar nein und nicht danke zu sagen, es ist Zeit für praktischen Antirassismus. Hier und jetzt! Jetzt könnte ich einen Link zu einer Petition setzen, doch damit ist es bei Weitem nicht getan. Jeder und jede Einzelne muss im Alltag gegenüber Freundinnen und Freunden, Familienmitglieder und Arbeitskolleg*innen klar Stellung beziehen und jegliches rassistisches und diskriminierendes Verhalten aufzeigen und diesem entgegentreten. Es ist Zeit! Jetzt!

KEINE TOLERANZ GEGENÜBER RASSISMUS !!! KEIN FUßBREIT DEM FASCHISMUS!!!

 

Nachtrag: Bereits am nächsten Morgen fuhr ich wieder diese Straße mit den abscheulichen Plakaten entlang. Diesmal entdeckte ich aber auch viele Plakate zerrissen am Boden. Ja! Es gibt Menschen, die sich wehren, die aktiv sind und Antirassismus praktisch werden lassen.