Auf Projekttour durch Deutschland

Auf Projekttour durch Deutschland

Es sind noch gar nicht so viele Tage, die ich nun schon unterwegs bin und doch fühlt es sich an als wäre ich schon immer am Reisen gewesen, schon immer unterwegs und rastlos. „Heute hier – morgen dort. Bin kaum da, muss ich fort.“ (Ohrwurm)

Dieses Jahr war dies wohl auch so. Seltens war ich zu Hause, brauchte Abstand, Beschäftigung und Ablenkung. Nun hab ich all meine Dinge gepackt und wohne aus meinem Rucksack. Das erste Gefühl, das nach meinem Umzug hochkam war Freiheit gemischt mit Leichtigkeit. Ich war doch sehr froh all mein Zeug endlich los zu sein.

Wenig zu besitzen heißt auch wenig schleppen zu müssen. Und nie wieder Zimmer aufräumen für die nächste Zeit! Die Angst etwas stark zu vermissen ist auch völlig verschwunden, selbst mein entspanntes Zimmer mit all den Lichtern und Kissen lass ich hinter mir und fühl mich genau da zu Hause, wo ich im Moment bin. „Fühl dich wie zu Hause“ ist also eine herzliche Einladung, die ich ernst nehme und super gern annehme. Es ist außerdem auch spannend verschiedenste Zimmer und Wohnungen kennenzulernen, zu sehen, wie andere Menschen ihr zu Hause gestalten. Mein zu Hause ist bei mir, ist mein Rucksack. Er reist mit mir durch die Gegend und ich lass mich inspirieren von den Begegnungen, den Menschen und Gesprächen. Danke an alle, die mich hier begleiten und für mich da sind, die mir einen wunderbaren Ort zum Schlafen schenken! Ohne euch wäre das gar nicht möglich.

Viele Projekte stehen auf meinem Tour-Plan. Quer durch Deutschland gehts, immer wieder hier, dann wieder dort. Ein hin und her. Doch meine Entscheidung ist nun endgültig getroffen. Zwei Monate auf Projekt-Tour durch Deutschland und dann geht es weiter nach Paris, Barcelona und letztlich Südamerika. Südamerika, genau genommen Buenos Aires. Ich war vor über 12 Jahren mal dort, mit 16 Jahren schon bin ich durch die Welt gereist. Meine Eltern ließen eine Vollmacht übersetzen und vom Notar beglaubigen und so durfte ich die mir bis dato unbekannten Welten besuchen. Und jetzt geht es wieder dort hin – doch dazu werde ich später mehr schreiben. Deutschland hat viele Ecken, die wahnsinnig schön sind. Viele Ecken, die ich vorher gar nicht kannte. Und an diesen Ecken treffe ich auf spannende Leute, Leute, die mittlerweile gute und herzliche Freund*innen von mir geworden sind. So war meine erste Station das Klimacamp Rheinland. (Mehr dazu hier) Unglaublich froh dort angekommen zu sein, traf ich Lieblingsmenschen, nahm sie in den Arm und fühlte mich geborgen. Fühlte mich gehört und aufgehoben in den Gesprächen, die wir führten und in den Aktionen, die wir zusammen planten und machten.

Der Abschied war nur ein Abschied auf kurze Zeit – ich möchte euch alle bald wieder sehen, das steht fest! Und dann gings wieder 8 Stunden in den Zug und ich lernte die Ostsee tiefer und schöner kennen. Der Dars, eine ganz schmale Landzunge, ist durchaus ein Reiseziel, ein Erholungsort und Badeerlebnis, dass ich so auch noch nicht kannte – nicht hier in der Region vermutet hätte. Die Sonnenuntergänge und das Picknick am Strand waren wunderschön und noch viel schöner war es, dies mit einem ganz wunderbaren Menschen teilen zu können. Man sagt ja, geteiltes Leid ist halbes Leid, aber gemeinsame Freude ist dann auch doppelte Freude!

Ostsee-Strand

Nach diesen erholsamen Tagen und auch der Verabschiedung von Tatu ging es dann nach Schwerin, was die erste Station meiner Projekttour sein sollte. Im Komplex, einem wohl selbst verwaltetem Hausprojekt, war ich vorher auch noch nicht und fand es schön, diesen Ort kennen zu lernen und hier eine Bleibe zu finden.

Nach 2 Tagen Visualisierungstraining gings dann auch schon weiter nach Hamburg zu meiner Lieblings WG in die Fuhle. Dort fand ich eine mega nice Bleibe unterm Dach von der ich aus gut erholt zum zweiten Projekt pendeln konnte. Der Trainer*innenarbeitskreis vom Netzwerk für Demokratie und Courage ging entsprechend schnell vorbei und ich wollte auch weiter, wollte nach Berlin zum nächsten Projekt. Die Programmsitzung von Bildung trifft Entwicklung war nicht nur einfach in Berlin, sondern in einem wahrscheinlich 4-Sterne Gästehaus direkt am Wannensee.

Ein wahnsinnig guter und freundlich-sympathischer Service und ganz fantastisches Essen machten auch diese 3 Arbeitstage zu einem Erlebnis. Auch hier sind wieder zahlreiche inspirierende Menschen gewesen, die fantastische Arbeit leisten und Deutschlandweit mehrere tausend Bildungsveranstaltungen koordinieren. Auch ich bin teil dieser Gruppe und musste weiter, um Vernetzung, Austausch und Bildung zu fördern. Es ging nochmal kurz zurück nach Rostock zum Regionalen Vernetzungstreffen von Bildung trifft Entwicklung und Jungen Engagement. Der Nachmittag war super und der Einblick in verschiedene Projekte und Fragestellungen durchaus motivierend. Weiter machen ist sowieso das Motto für diese 2 Monate Projekttour. Kurz durchatmen, dann weiter nach Alt-Schwerin. Hier lief der Konzept-Transfer des Netzwerks für Demokratie und Courage und wir brachten den ca. 30 Leuten neue Bildungskonzepte bei, die dann in Mecklenburg-Vorpommern wohl täglich an Schulen umgesetzt werden.

Politische Bildung ist wichtig und ich hab‘s mir zur Aufgabe gemacht hier eine antreibene Kraft zu sein, um gegen aktuelle Missstände und gesellschaftlich durchaus auch erschreckende Dynamiken zu wirken! Bildung ist der Startpunk um Utopien zu leben, um Visionen zu spinnen und um eine Zukunft zu malen, die emanzipatorisch, gerecht und nachhaltig gestaltet ist. Die kommenden Wochen werden auch in dieser Hinsicht spannend. Nach einem produktiven Konzeptionstreffen zurück in Rostock, gings dann über Berlin weiter nach Osterfeld – einen winziges Dorf in Sachsen-Anhalt. Ich führte ich einen Workshop zum Thema „Klimagerechtigkeitsbewegung inst Deutschland am Beispiel von Fridays for Future“ durch.  Am 20.09. war auch globaler Klimastreik und wir beteiligten uns mit einer kleinen Aktion im Dorf während Freunde und Bekannte Kühltürme bekletterten, zu hunder-tausend auf die Straße gingen oder an anderen Orten Sitz-Blockaden durchführten. Es tut gut zu sehen, dass der Widerstand so vielfältig ist und von zahlreichen Leuten mit ganz viel Herzblut und Überzeugung gefüllt wird.

Ein Tag Pause brauche ich nun, denn dann geht’s weiter mit dem nächsten Projekt. Alles beginnt auch mit einer Pause und ich muss lernen auf dieser Reise auch gut auf mich zu achten, Pausen machen, heißt nachhaltig aktiv bleiben können und deshalb beende ich die Mail an dieser Stelle. Ich freue mich darüber meine Erfahrungen mit Dir teilen zu können und natürlich freue ich mich auch, wenn ich was von Dir höre – wie es dir geht und wie deine kommenden zwei Monate so aussehen werden. Ich werde die kommende Zeit zwischen Mecklenburg-Vorpommer, Berlin, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Hessen hin und her pendeln…

Bis dahin sag ich: TAPFER BLEIBEN und WEITER MACHEN!

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JannesUmlauf administrator

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