Life is a journey

Life is a journey

Ein paar Zeilen aus einer langen, regnerischen Nacht…

Auf den Straßen Südafrikas: Die Zeit war reif und meine Reise zurück nach Johannesburg stand an. Zurück in eine volle und schnelle Großstadt. Ob ich dort noch ein paar Tage Urlaub, Sonne und Entspannung genießen kann, bevor es zurück ins graue und kalte Rostock geht? Ich stieg ein wenig nachdenklich und durchaus auch ein bisschen traurig in den Bus. Tschüss East London, ich verlasse dich, doch ich hab zahlreiche Erinnerungen im Rucksack.

Im Bus schaute ich zwei oder vielleicht auch drei Filme und lehnte mich zurück in eine wohl schlaflos Nacht. Aber eine durchaus schöne schlaflose Nacht. Wo ich wohl vorbei fahren werde, wen ich wohl kennen lerne, welche Gedanken mir in den Kopf wohl kommen werden? Der Bus ist nach seinem zweiten Stopp voll, die Lüftung ist aus und langsam wird die Luft dicker. Dafür ist wenigstens schön warm und auch kuschelig und Busfahren ist für das Klima vielleicht auch besser als zu fliegen, auch wenn das wohl alles schneller und bequemer gewesen wäre. Ich hab aber Zeit also wozu die Eile und teure Flugtickets kaufen.

Die Straßen sind holprig und vom Regen auch gut nass. Ich schaukel in meinem Sitz hin und her, der Gurt, den ich umgeschnallt hab gibt mir einen gefühlten Hauch von Sicherheit. Das reicht aus. Hin und wieder leuchtet das Innere im Bus auf, wenn ein Blitz von draußen durch die Fenster scheint. Am Fenster fließen außen die Regentropfen herunter und von innen das kondensierte Wasser unserer schläfrigen Atem. Ich höre entspannte Musik und tippe diese Zeilen ins Telefon. Ist es poetisch, romantisch oder beschreibt es die Fahrt auf einer ganz neutral sachlichen Ebene? Nein, ein bisschen spiele ich mit den Worten, ein bisschen mit meinen Gedanken, die frei im Kopf fließen und Urlaub machen. Denke nach über das Leben, diese Welt und den Widerstand, die Träume und die Wünsche, denen wir uns widmen. Denke nach und frage mich wie das wohl alles in 10, 20, 50 Jahren aussehen wird. Ich bin gespannt, doch irgendwie hab ich auch eine Vorstellung davon wie ich leben mag, wo ich ankommen mag.

Das Leben ist eine lange Busfahrt, die aber auch schnell vorbei geht. Wir haben hin und wieder entspannte Momente, in denen wir uns zurück lehnen können, wir treffen immer wieder auf neue Leute und neue Orte und manchmal halten wir bei einigen für einen Moment und machen gemeinsam Pause oder fahren auch ein Stück zu zweit weiter. Wir haben warme, kuschlige Momente im Leben, Momente der Liebe… aber manchmal ist es auch stickig und das Tränengas erschwert es uns zu atmen. Im Polizeiwagen tropft das kondensierte Wasser auch an der Scheibe herunter. Wir malen Symbole es Widerstandes und hoffen, dass ein Fettabdruck dieser bleibt. Wir hätten es auch alles leichter und bequemer haben können, hätten BWL studieren können oder Fleischereifachverkäuferin werden können. Aber wir haben Zeit, also wozu die Eile. Wozu mitschwimmen in eine Richtung, in der wir den Abgrund klar vor uns sehen können. Vielleicht ist unser Weg ein wenig holprig und nicht immer sicher, aber er hat ein schönes Ziel.

Die Freiheit ist es uns wert. Und unser soziales Netz, die solidarische Kommune ist der angelegte Sicherheitsgurt. Wir hoffen das er uns auch später hält, falls wir uns doch verfahren haben und das Ziel nicht ganz erreichen. Dann hatten wir wenigstens eine schöne Fahrt zusammen. Eine aufregende, lebendige Fahrt. Aber zusammen schaffen wir es unsere Träume und Utopien wie ein Blitz aufleuchten zu lassen. Wir erkennen die wahre Schönheit dieser Reise.

Wir erkennen sie, wenn wir an unsere Ideale denken und daran festhalten. Wenn wir von unseren Träumen nicht nur erzählen, sondern dafür kämpfen, dass sie Wirklichkeit werden. Und auch wenn wir das alles nicht mehr persönlich erleben werden, wenn das alles noch hundert oder gar zweihundert Jahre dauern wird, so waren wir doch ein wichtiger Teil in dieser Bewegung. Und ich sitze nun hier in diesem Bus und bin dankbar für so vieles das ich die letzten Jahre erleben durfte und ich bin dankbar dafür, auch genau diesen Moment hier mit dir und anderen Wesen teilen zu dürfen. Ich freue mich auf die weiteren Stunden hier im stickigen Bus und auf die weiteren Jahre in einer emanzipatorischen Bewegung, die für Freiheit und Frieden kämpft, die solidarisch miteinander ist und wächst und wächst und wächst. Ich freue mich auf weitere Momente mit DIR!

 

Über den Autor

JannesUmlauf administrator

Trainer für politische Bildung, Moderation und kreativen Aktivismus. Schreib mir gern eine Mail an: info@jannes-umlauf.de oder hinterlass einen Kommentar. Viel Spaß beim Lesen, herzlichen Dank und schön, dass Du hier bist!

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